Freitag, 10. September 2010

Auch für den Sportfachhandel interessant: Altpapier effizient und ökologisch nutzen

Foto: Kreiter GmbH
Ein Hersteller von Polsterkissen für den Versandhandel macht aus Altpapier, wie es in fast jedem Unternehmen "en masse" anfällt, exklusive, individualisierte und umweltfreundliche Mehrweg-Verpackungsmittel. Und Kunden haben die Möglichkeit, Teil eines kostengünstigen, ökologischen Kreislaufsystems zu werden.

Der Unternehmensgründer Volker Kreiter ist ein Öko-Pionier mit Profil und Visionen. Sucht man seinen Namen im Internet, stößt man schnell auf die zwei Säulen, die das Leben des 48jährigen studierten Maschinenbauers bestimmen. Da ist zum einen sein Unternehmen, die Kreiter GmbH. Zum anderen taucht sein Name immer wieder im Zusammenhang mit der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde auf. Volker Kreiter ist ein Mensch, der seinen christlichen Glauben lebt. Privat wie beruflich. „Ich bin in einem christlich geprägten Elternhaus aufgewachsen, in dem sich der Glaube nicht auf den regelmäßigen Kirchgang beschränkt hat. Meine Eltern haben Werte wie Ehrlichkeit, Ehrbarkeit, Verlässlichkeit, Rücksichtnahme, Fleiß und Wertschätzung anderen Menschen gegenüber gelebt und uns Kindern weiter gegeben. Diese Werte sind mir wichtig und ich bin bestrebt, diese zu leben“, erzählt er. Leben und leben lassen lautet sein Motto. Das bedeutet für ihn im geschäftlichen Sinne: kein unehrlicher Gewinn, keine unmoralischen Geschäftsbedingungen und Löhne. Er ist ein Freund von Mindestlöhnen, Zahlungsziele über 30 Tage hält er ebenfalls für unmoralisch und lehnt deshalb entsprechende Aufträge ab. Die Behindertenwerkstätten, mit denen er zusammenarbeitet, bekommen von ihm für ihre Arbeit das gleiche Geld, das er für die Eigenfertigung kalkuliert hat. Sein von ihm 1995 gegründetes Unternehmen, die Kreiter Naturverpackung GmbH (seit 2009 Kreiter GmbH), ist geprägt von diesem hohen sozialen wie auch ökologischen Verantwortungsbewusstsein, aber auch von seiner Begeisterung für technische Innovationen.
Ökologisches Kreislaufsystem
Volker Kreiters einfache wie geniale Geschäftsidee: Aus Altpapier, wie es in jedem Unternehmen oft „en masse“ anfällt, exklusive, individualisierte und umweltfreundliche Mehrweg-Verpackungsmittel herzustellen. Und das im Rahmen eines kostengünstigen, ökologischen Kreislauf-Systems: Der Kunde wird mit der ersten Lieferung Teil eines ökologischen Kreislaufes. Er sammelt seine anfallenden Altkartonagen, die Kreiter GmbH holt sie bei einer Folgelieferung kostenlos ab und setzt sie als neuen Rohstoff wieder ein. Altkartonagen werden so zum Füllmaterial für hochwertige, reißfeste und staubfreie Polsterkissen. Herzstück ist dabei die innovative Kartonagen-Verwertungsanlage. In dieser werden die Altkartonagen zerkleinert und die Polsterkissen damit befüllt. Volker Kreiter hat diese Produktionsanlage konstruiert und gebaut und seither kontinuierlich weiterentwickelt. Damit werden heute bei der Kreiter GmbH, die inzwischen sieben eigene und 18 externe Mitarbeiter beschäftigt, karopack Polsterkissen in sieben verschiedenen Standardgrößen von 180 x 220 Millimeter bis 240 x 600 Millimeter sowie individuelle Sonderformate produziert. Zudem lassen sich die Polsterkissen auf Wunsch mit imagewirksamen Aufdrucken wie beispielsweise Kunden-Logos personalisieren. Der Endverbraucher kann die karopack Polsterkissen nach Gebrauch einfach mit dem Altpapier entsorgen. Ein Konzept, das in Zeiten wachsendem Bewusstseins für Nachhaltigkeit, steigender Entsorgungskosten sowie der Herausforderung, den Versand von Produkten immer sicherer zu gestalten, schnell Erfolg hatte.
Dezentrale Produktion und Logistik
Nachdem die Produktionsanlage in Kirchardt bereits Anfang 1999 ausgelastet war, wurde in Hannover eine zweite in Betrieb genommen. Hier arbeitete Kreiter erstmals mit einer anerkannten Behinderten-Werkstatt zusammen. Diese soziale Kooperationsgemeinschaft führt das Unternehmen heute auch an anderen Kreiter-Standorten fort. Mit der Produktion und ebenfalls ortsansässigen Fakturierung sowie einem eigenen Logistiksystem in den Werkstätten setzt man so auf bewusst kurze Lieferwege. Die Organisationsleitung der Partnerfilialen bleibt jedoch in der Kirchardter Unternehmenszentrale. Kreiter expandierte aber nicht nur räumlich, auch das Produktportfolio wurde weiter ausgebaut. Seit 1999 verkauft die Kreiter GmbH neben seinen karopack-Polsterkissen auch die Verwertungsanlagen selbst an Endkunden. Rentabel ist das für Unternehmen, deren Ausgaben für Polstermaterial, Entsorgung von Altkartonagen und Altpapier sowie Aktenvernichtung im Jahr 25.000 Euro übersteigen. Die Vorteile einer solchen Anlage im eigenen Haus, die sehr personalextensiv betrieben werden kann und nur rund 20 m2 Platz braucht: Das Unternehmen spart sich die Entsorgungskosten für die Altkartonagen oder Aktenvernichtung sowie die Kosten beim Kauf von anderweitigem Füll- oder Polstermaterial für den eigenen Versand. Zugleich profitiert der Kunde von zusätzlicher Imageförderung durch den individuellen Aufdruck auf den Polsterkissen und beweist mit dem Verwertungssystem ökologische Verantwortung durch umweltfreundliches Verhalten. 2003 hat Kreiter dann sein Unternehmens-Portfolio mit der Herstellung von „karolit Vermiculitekissen“ zum Transportschutz für Gefahrgut erweitert.
Große Zukunftspläne
Das Unternehmen entwickelt sich weiter, die Nachfrage nach diesem ökologischen Mehrweg-Verpackungskonzept ist enorm. Volker Kreiter sieht deshalb in seinem Businessplan den Aufbau eines bundesweiten Netzes von Produktionsstätten zur zeit- und ortsnahen Fertigung und Lieferung von karopack-Polsterkissen vor. Langfristig will er zusammen mit Partnern das ökologische karopack-Konzept europaweit und dann weltweit ausbauen. Eines ist dabei sicher: Volker Kreiter wird seinen von Werten geprägten Weg auch hier konsequent weitergehen. „Ich habe in meinem bisherigen Berufsleben die Erfahrung gemacht, dass sich partnerschaftliche Kundenbeziehungen, bei denen nicht Gewinnmaximierung, sondern Verlässlichkeit und Flexibilität im Vordergrund stehen, auszahlen. Und vor allem auch helfen, viel Stress zu vermeiden.“ Petra Rapp
Der Artikel ist auch in der Fachzeitschrift "MM Logistik" (Ausgabe vom 3. September 2010) erschienen. Mehr zum Unternehmen unter www.karopack.de