Notiz am Rande: Veränderungen

Berggehen. In der Kindheit gehasst. Tausend Mal lieber mit den Nachbarjungs draußen Fußball gespielt, Lager gebaut, um die Pfraundorfer Seen und durch unser Revier gezogen. Oder stundenlang die gelbe Filzkugel zum Leidwesen unserer Nachbarn gegen das Garagentor gedonnert, bevor ich endlich richtig auf die rote Asche durfte. Ab und zu kam ich nicht aus, musste mit auf diese Berge. Immer das Dozieren des bergbegeisterten Vaters über sämtliche Namen der Gipfel rundherum im Ohr. 

Und immer waren die drei älteren Geschwister weit voraus und ich auch mit gutem Zureden nur schwer aus meinen Sitzstreiks zu bewegen, wenn sich die Auskunft des Vaters über das baldige Erreichen der Hütte mal wieder als glatte Lüge herausgestellt hat. Im Winter habe ich die Berge von Anfang an geliebt. Da gab es ja diese zwei Bretter, die schnell die Welt für mich bedeutet haben. Die Sommerliebe hat dann doch ein paar Jahre auf sich warten lassen. Mein Vater hat es irgendwann aufgegeben, mit uns in die Berge zu gehen. Ob der diversen Lasten des Lebens leider dann auch für sich selbst viel zu früh. Bei mir aber tut sich was.
Ich hab' in diesem Sommer so viele Bergtouren wie noch nie gemacht. Vielleicht brechen lang unterdrückte Gene durch. Vor allem an so genial schönen Tagen wie heute zieht es mich raus und hinauf. Und je länger die Tour, umso lieber. Es braucht ja seine Zeit, bis der Körper sich eingegangen hat, man sich in seinen Gehrhythmus fallen lassen kann, die Lasten der Tage zuvor abgebaut sind und der Kopf wieder frei wird. 

Das Ziel heute: Wilder Kaiser, Ellmau, über die Gruttenhütte, den Jubiläumssteig zum Ellmauer Tor und dann weiter zur Hinteren Goinger Halt (2192 Meter, Tourenbeschreibung). Ein Klassiker, aber heute zum Glück sehr wenig los. Für mich die erste Begehung in einem Gebiet, in das mein Vater früher vor meiner Zeit ziemlich oft zum Klettern rüber geradelt ist und in dem er mit Sicherheit jede Scharte und jeden Gipfel kennt. Nun gut, mit dem Merken der Gipfelnamen tue ich mir immer noch sehr schwer, nicht alle Blockaden aus der Kindheit sind leicht zu lösen. Und auch Bällen laufe ich immer noch sehr gerne hinterher. Aber ansonsten hat sich schon einiges verändert. Aus kindlicher Aversion gegenüber dem Berggehen ist inzwischen zugegebenermaßen schon eine kleine Leidenschaft geworden. Aber ich freue mich schon auch sehr darauf, diese Tour in Kürze mal mit Ski zu machen. Petra Rapp

Mehr Fotos von der heutigen Tour gibt es hier: